Tastschreibkurs an der Schule: externer Anbieter oder selbst durchführen?
Ein Tastschreibkurs an der Schule lässt sich auf zwei Wegen umsetzen: Ein externer Anbieter kommt als AG ins Haus, oder Sie führen das Zehnfingersystem selbst mit einem Lernspiel im Unterricht ein. Beide Wege funktionieren, sie passen nur zu unterschiedlichen Schulen.
Zwei Wege zum Tastschreibkurs an der Schule
Beim ersten Weg kommt eine externe Person oder Organisation an Ihre Schule. Sie bringt eine eigene Kursleitung mit, die Termine stehen fest, und der Kurs findet häufig am Nachmittag als AG statt. Bezahlt wird je nach Modell von den Eltern oder von der Schule.
Beim zweiten Weg organisieren Sie die Tastschreibzeit selbst. Die Kinder üben mit einem Online-Kurs oder einem Tippspiel in ihrem eigenen Tempo, im Unterricht oder in einer Förderstunde. Die Lehrkraft begleitet, statt zu unterrichten.
Keiner der beiden Wege ist grundsätzlich besser. Entscheidend ist, was Ihre Schule im Stundenplan, im Kollegium und im Budget tatsächlich leisten kann.
Externer Anbieter: Das spricht dafür, das spricht dagegen
Vorteile:
- Klare Struktur: feste Termine, eine feste Kursleitung, ein erkennbares Ende.
- Wenig Arbeit für Sie: Sie stellen den Raum, die Geräte und die Anmeldung, den Rest übernimmt jemand anderes.
- Fachliche Anleitung bei Haltung und Fingersatz, ohne dass Sie sich selbst einarbeiten müssen.
Grenzen:
- Es kostet Geld, und das muss jemand tragen.
- Zeit und Tempo sind festgelegt. Wer schneller ist, wartet, wer länger braucht, kommt womöglich kaum hinterher.
- Zahlen die Eltern, nimmt oft nicht jedes Kind teil. Dann lernen vor allem die Kinder das Tastschreiben, deren Familien es ohnehin organisieren können.
- Wenn der Kurs endet, endet oft auch das Üben. Ohne Anschluss kann das Gelernte wieder verblassen.
Tastschreiben im Unterricht selbst einführen: Vorteile und Grenzen
Vorteile:
- Flexibel: Sie legen fest, wann und wie oft geübt wird, und können den Rhythmus jederzeit ändern.
- Jedes Kind lernt in seinem Tempo. Gute Lernspiele wiederholen das, was noch wackelt, und lassen das Sichere in Ruhe.
- Alle Kinder der Klasse können mitmachen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.
Grenzen:
- Sie brauchen einen festen Platz im Stundenplan, sonst bleibt es ein guter Vorsatz.
- Jemand muss beim Start auf Sitzhaltung und Fingersatz achten. Das Adlersuchsystem schleicht sich schnell ein, wenn niemand hinschaut.
- Sie verfolgen den Fortschritt selbst. Das kostet etwas Aufmerksamkeit, vor allem in den ersten Wochen.
Wie die Einführung in Klasse 3 bis 6 aussehen kann, beschreiben wir ausführlicher in Zehnfingersystem im Unterricht.
Sechs Fragen, mit denen Ihre Schule entscheidet
- Wer bezahlt? Übernimmt die Schule die Kosten, oder sollen die Eltern zahlen? Im zweiten Fall: Was passiert mit Kindern, deren Familien nicht teilnehmen?
- Wie viel Zeit gibt der Stundenplan her? Zweimal pro Woche 10 bis 15 Minuten im Unterricht sind etwas anderes als eine zusätzliche Nachmittagsstunde, die Eltern bringen und abholen müssen.
- Machen alle Kinder mit? Ein Kurs für eine kleine Gruppe ist noch kein Angebot für die ganze Klasse.
- Wie messen Sie den Fortschritt? Sie brauchen etwas Greifbares: Wie viele Buchstaben sitzen, wie genau wird getippt, wer kommt nicht weiter? Ein Abschlusszertifikat allein sagt wenig darüber, wie es dazwischen lief.
- Was passiert mit Kindern, die zurückbleiben? Bei einem Kurs im Gleichschritt fallen sie leicht heraus. Bei Selbstlernphasen können Sie gezielt nachsteuern. Fällt Ihnen bei einem Kind auf, dass das Üben besonders schwerfällt oder Beschwerden auftreten, sprechen Sie mit der Förderlehrkraft oder der sonderpädagogischen Fachkraft Ihrer Schule und mit den Eltern. Diese können bei Bedarf eine Ärztin oder einen Arzt einbeziehen.
- Wird zu Hause geübt? Ein Kurs ohne Übung zwischen den Terminen bringt wenig. Klären Sie, ob die Kinder auch zu Hause kurz üben können, und halten Sie es freiwillig.
Mischform: Ein Kurs als Auftakt, Selbstlernen als Anschluss
Sie müssen sich nicht entscheiden. Manche Schulen lassen zum Start eine externe Fachkraft Haltung und Fingersatz zeigen und üben danach im Alltag selbst weiter. Andere starten selbst und holen sich später Unterstützung für einzelne Gruppen.
Wichtig ist, dass das Üben nach dem Auftakt nicht abreißt. Kurze, feste Termine tragen oft weiter als ein großer Block, der irgendwann endet.
Diese Woche starten: 10 bis 15 Minuten, ein Plan
Wenn Sie sich fürs Selbermachen entscheiden, reicht für den Anfang ein kleiner Rahmen:
- Termin festlegen: Wählen Sie zwei feste Zeitfenster pro Woche, zum Beispiel am Anfang einer Stunde. Planen Sie 10 bis 15 Minuten ein.
- Geräte klären: Die Kinder brauchen Laptop oder Computer mit echter Tastatur. Ein Tablet ohne Tastatur ist dafür nicht geeignet.
- Erste Einheit gemeinsam: Zeigen Sie die Grundstellung (A S D F und J K L Ö) an der Tafel oder mit einem Ausdruck. Mehr dazu finden Sie in Grundstellung Tastatur erklärt.
- Beim Start herumgehen: Achten Sie auf entspannte Schultern, Handgelenke ohne Knick und Finger auf der Grundreihe. Danach reicht es meist, nur noch stichprobenartig zu schauen.
- Nach zwei Wochen Zwischenbilanz: Wer hängt, wer ist schon weit? Sprechen Sie kurz mit einzelnen Kindern, statt allen dasselbe zu sagen.
Genauigkeit geht vor Tempo: Wer sauber tippt, gewinnt die Geschwindigkeit mit wachsender Sicherheit. Hintergrund und Ablauf finden Sie im Ratgeber zum Zehnfingersystem für Kinder.
Beispiel für selbst machen: Typcoon für Schulen
Typcoon: Nightcode ist ein Tippspiel für Kinder von 8 bis 14 Jahren, das im Browser auf Laptop oder Computer läuft. Eine KI hat eine ganze Stadt abgeschaltet, und jeder getippte Befehl schaltet ein Stück davon wieder an. Neue Buchstaben kommen einzeln und erst dann, wenn die vorherigen sitzen. Was noch schwerfällt, kehrt häufiger wieder.
Jeder Finger hat eine eigene Farbe, die nächste Taste leuchtet in der Farbe des passenden Fingers auf. So bleibt der Blick auf dem Bildschirm. Das Spiel unterstützt QWERTZ mit Umlauten und ß.
In der Schulversion legt die Schule selbst ein Schulkonto an, erstellt Klassen und für jedes Kind einen Code und druckt die Anmeldekarten aus. Die Kinder melden sich mit Klassencode und eigenem Code an, ohne E-Mail-Adresse und ohne Passwort.
Sie sehen pro Kind, wie viele Buchstaben es schon blind tippt, wie genau und wie schnell es ist, wie viele Minuten es geübt hat, welche Buchstaben noch schwer sind und wann es nicht weiterkommt. Auch die schwersten Buchstaben der ganzen Klasse sind sichtbar, und Urkunden und Diplome lassen sich für die Klasse gesammelt drucken. Sie sehen dabei nur Ihre eigenen Klassen.
Die ersten 35 Schülerinnen und Schüler einer Schule sind insgesamt kostenlos, mit allen Übersichten und dem Tipp-Diplom. Das ist keine Testphase. Das Spiel enthält keine Werbung und kein Tracking durch Dritte. Mehr dazu finden Sie auf der Seite für Schulen, und das Spiel selbst können Sie vorab ausprobieren.
Häufige Fragen
Ist ein externer Tastschreibkurs besser als selbst unterrichten?
Nicht grundsätzlich. Ein externer Kurs bringt Struktur und nimmt Ihnen Arbeit ab, ist aber an feste Zeiten gebunden und kostet Geld. Selbst durchführen ist flexibler und bindet alle Kinder ein, verlangt aber einen festen Termin und etwas Begleitung.
Wie viel Zeit braucht das Tastschreiben im Unterricht?
Für den Anfang reichen zwei feste Einheiten pro Woche mit 10 bis 15 Minuten. Wichtiger als die Länge ist, dass der Termin im Stundenplan steht und regelmäßig stattfindet.
Was tun, wenn nur ein Teil der Klasse an einer kostenpflichtigen AG teilnimmt?
Überlegen Sie, ob das Tastschreiben auch im Unterricht stattfinden kann, damit alle Kinder die gleiche Chance haben. Alternativ kann die AG ein Auftakt sein, an den alle mit kurzen Übungseinheiten anschließen.
Woran erkenne ich, dass ein Kind beim Tastschreiben nicht weiterkommt?
Zum Beispiel, wenn es immer wieder auf die Tastatur schaut, dieselben Buchstaben falsch tippt oder kaum Fortschritt zeigt. Hat es dabei Beschwerden oder fällt das Üben auffällig schwer, sprechen Sie mit der Förderlehrkraft oder der sonderpädagogischen Fachkraft der Schule und mit den Eltern.
Tippen lernen und dabei eine Stadt wieder einschalten
In Typcoon: Nightcode schaltet jeder Befehl, den Ihr Kind tippt, ein Stück einer verdunkelten Stadt wieder ein. Sauberes Tippen bringt am meisten – so lernt Ihr Kind das Zehnfingersystem, ganz ohne es zu merken. Kostenlos ausprobieren, kein Konto nötig.
▶ Gratis spielen